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Die Elche weiden nun ungestört
Artikel in: Die Region, 1. Februar 2001 von Rudolf Michel Alaska - wie es ihn dorthin verschlagen hat, ist eine lange Geschichte.... Wind und Wetter haben in seinem Gesicht Spuren hinterlassen. Seine wachen Augen scheinen einen kritisch und wohlwollend zugleich zu mustern, lassen feinen Schalk aufblitzen. Bei einem Kaffee im Luzerner "Anker" erzählt Chlaus Lötscher von seinem bewegten Leben: Mit neun Geschwistern ist er in Littau aufgewachsen. Schon Früh haben ihn die Berge gelockt. Chlaus erklettert viele der heimischen Drei- und Viertausender, die Engelhörner, den Salbitschyn, die Graue Wand auf der Furka oder die Dammazwillinge im Berner Oberland.Die gewaltigen Berge Alaskas ziehen ihne 1968, als 22-Jährigen, erstmals in Bann. Mit seinem Bergkollegen Heinz Allemann gelingen ihm zahlreiche Erstbesteigungen, darunter drei Nebengipfel auf der Südseite des 6145 m hohen Mount McKinley. Immer wieder reist Lötscher nach Alaska, unternimmt zahlreiche Exkursionen, die er mit seiner Kamera vortrefflich dokumentiert. Von der Wildnis fasziniert Nach der Matura in Immensee studiert er an der Uni Bern Urgeschichte, Ethnologie und Islamwissenschaften. Während des Studiums nimmt er 1972 an einem archäologischen Forschungsprojekt auf der Sankt-Lorenz-Insel im Beringmeer teil. Den während der Ausgrabung geknüpfte Kontakt mit den Yupik, einer Inuit-Gruppe im Südwesten Alaskas, pflegt Chlaus Lötscher noch heute: "Meine vor einigen Jahren verstorbene Frau Violet war eine Yupik." 1972 kehrt Chlaus Lötscher mit seiner Frau nach Littau zurück, arbeitet als Fotograf und Jounalist - ab 1977 auch für die HEIMAT - und wandert 1980 mit Frau und Kindern definitiv nach Alaska aus. Die Familie lässt sich in Homer nieder, südlich von Anchorage. Unermüdlich bereist Lötscher das Land, ist immer wieder von Neuem von den landschaftlichen Schönheiten und der unberührten, weiten Wildnis fasziniert. Diese Weite und Unberührtheit bedeutet ihm sehr viel. "Da kannst du meilenweit wandern, ohne auf Menschen zu stossen, bist mit der Natur auf du und du." Besonders ins Herz geschlossen hat er die alaskanischen Ureinwohner. Durch seine Frau bekommt er einen tiefen Einblick in deren Lebensweise und Traditionen. 1983 entgeht Lötscher nur um Haaresbreite dem Tod: "Am Mount McKinley stürzte ich über eine Firn- und Eisflanke 350 Meter in die Tiefe." Alaska multimedial "aufgearbeitet" 1989 gründet er Alaska Wildtrek, sein eigenes Trekkingunternehmen. Er, der inzwischen Alaska wie seine Westentasche kennt, zeigt jetzt Touristen Alaskas Naturschönheiten. "Die meisten Anmeldungen erhalte ich - ausschliesslich über Internet - von Amerikanern, aber auch viele Schweizer, Österreicher und süddeutsche sind mit dabei." Letztes Jahr hat er in der Wildnis über 60 Nächte im Zelt verbracht. Lötschers zweite grosse Leidenschaft ist das Fotografieren. "Nebst dem Job als Wildnisführer ist das mein zweites finanzielles Standbein." Seine Fotos publiziert er weltweit in Zeitschriften, Büchern und Kalendern. Dass es ihn gelegentlich in seine alte Heimat zieht, habe vor allem geschäftliche Gründe. Vor einigen Jahren hat Lötscher mit seinem Onkel eine Multivisionsschau über Alaska zusammengestellt. "Nach 20 Jahren Herumreisen fand ich es an der Zeit, mich sprachlich und fotografisch mit Alaska auseinander zu setzen. Andere schreiben ein Buch, ich versuche es nun mit multimedialen Mitteln." Engagement für den Naturschutz Leidenschaftlich engagiert sich Lötscher für Alaskas Natur- und Umweltschutz. "Erfolg hatten wir mit unserer Initiative für ein Verbot der Wolfsjagd aus der Luft. Nach vielen, auch persönlichen Vorstössen wurde sie mit über 60 Prozent angenommen." Stolz ist er auch darauf, nach jahrelanger zäher Öffentlichkeitsarbeit erreicht zu haben, dass ein Sumpfgebiet nahe seinem Wohnort Homer geschützt wurde, damit dort die Elche in Frühling ungestört weiden und kalben konnten. Wenn Chlaus Lötscher am 19. Februar wieder ins ferne Alaska zurückkehrt, wird er um ein weiteres bedrohtes Stück Wildnis kämpfen: um das nationale Wildschutzreservat an der Nordküste Alaskas, in dem nach den Plänen der neuen US-Regierung bald nach Öl gebohrt werden soll. |